Be part of it!
Jakob Nielsen stellt in einem seiner letzten Newsletter fest, dass im Web Ungleichgewicht herrscht und dass in den meisten Online-Gemeinden
- fast 90% aller User nur Beobachter sind,
- ca. 9% gelegentlich beitragen und
- ungefähr 1% für den ganzen Betrieb sorgen.
Beispiele:
- Von über 1 Mld. Internetnutzern betreiben nur 57 Mil. (5%) ein Blog.
- Von 132 Mil. Wikipedia-Nutzer tragen nur 1% (70.000) aktiv bei.
- 43.000 (24%) aller Amazon-reviews stammen von Top-10 Autoren.
- Auf Youtube werden täglich über 100 Mil. Videos besucht, aber nur etwa 65.000 hochgeladen.
Das Alles wäre an sich noch nicht unlogisch – es muss doch nicht jeder Autofahrer gleich auch ein Mechaniker sein und genauso wenig muss jeder Internetnutzer ein Blog betreiben. Das ist klar.
Überraschend ist aber die Größe der Kluft zwischen den Beitragenden und den Beobachtern. Diese erzeugt Ungleichheiten, die sich weiter negativ auf das Web auswirken.
Einer der wesentlichen Nachteile dieses Ungleichgewichts ist, dass die Suchmaschinen die Relevanz der Suchergebnisse vor allem nach der Verlinkung der jeweiligen Quellen beurteilen und da eben nur die aktiven Beitragenden auch Links erstellen, können diese Ergebnisse unmöglich repräsentativ sein. Ebenfalls betrifft es auch das Kundenfeedback, wenn nur so ein kleiner Teil der Benutzer seine Erfahrungen mit den Anderen teilt, kann ein Anbieter von Diensten keine aussagekräftige Berichterstellung erzielen.
Aus diesem Grund, wollte ich wissen, wie es bei uns im Forum aussieht:
- Registrierte User: 1.046
- Erstellte Beiträge: 5.544
- Nielsen: 1% aller User erstellen die meisten Inhalte
+ AC: Unsere Top-10 Autoren haben 2.100 Beiträge (40%) geschrieben
- Nielsen: 9% der Benutzer tragen unregelmäßig bei
+ AC: Unsere Top11-90 Autoren haben 1.955 Beiträge (35%) erstellt
- Nielsen: 90% sind versteckte Beobachter, die so gut wie nie beitragen
+ AC: 951 User, die zusammen für ca. 1.400 Beiträge (25%) sorgen
Zusammengefasst:
- 2% unserer Nutzer schreiben mehr als die Hälfte (52%) aller Beiträge!
- 10% unserer User sorgen für 75% aller Aktionen!
- 90% aller Benutzer stehen zusammen für weniger als 25% Mitarbeit!
Fazit:
Die meisten Beiträge werden zwar nicht von dem 1%, aber sehr wohl von 2% aller User verfasst und die 10% aktivsten Nutzer sorgen sogar für 2/3 des Betriebs, während etwa 90% aller User weniger als 2 Beiträge erstellt haben.
Dabei ist noch anzumerken, dass man mit dem Posten einer Frage und einer Antwort (normalerweise der Grund eines Forumbesuchs) bereits auf 2 Beiträge kommt und trotzdem haben etwa 35% unserer registrierten Nutzer nicht mal 1 Beitrag geschrieben …
Kommentar?

























Friedrich sagt
am 4. Januar 2007 @ 10:29
Äußerst interessant! Sehr gut gemachte Recherche und Analyse, Respekt!
Es ist tatsächlich so, nur ein sehr geringer Anteil sticht aus der Menge hervor. Ohne diese aktiven User wäre eine Community nicht überlebensfähig.
Und wir reden hier nur von den registrierten Usern. Viele der Leser registrieren sich nicht einmal, so dass der passive Anteil natürlich noch viel, viel höher liegt.
Mark (LuiG) sagt
am 4. Januar 2007 @ 13:37
Ich denke, was Herr Nielsen herausgefunden hat, ist nicht etwa eine bahnbrechende Erkenntnis, sondern einfach ein Phänomen, das im Wesen des Internet/Forums begründet ist.
Wie oft liest man beispielsweise in Foren den Satz: “Benutze doch bitte erst die Suchfunktion, bevor du etwas postest!”. Und dies durchaus zurecht, da sonst das Forum vollkommen unübersichtlich und unnötig voll würde. (Angemerkt: Man kriegt gelegentlich sogar recht aggressive Antworten auf bereits vorhandene Fragen!)
Und die Wikipedia ist ja schliesslich eine Enzyklopädie, im ursprünglichen Sinne ein “Nachschlagewerk”, also ein Werkzeug, dass vielen Leuten Informationen offenlegen soll. Wenn jeder, der dort reinschaut, auch reinschreiben würde, wäre es schnell vorbei mit den korrekten Informationen.
Auch das Internet selbst ist ursprünglich als Informationsverbreitungsmedium gedacht und strukturiert. Natürlich muss irgendjemand auch Informationen ins Netz stellen, aber eigentlich sollen hier Informationen angeboten werden und nicht jeder Computernutzer kann einen Blog auch sinnvoll füllen.
Ich meine, dass die “Nutzung” eines Forums nicht über die Anzahl der Beiträge pro Benutzer definiert werden darf. Denn der “Nutzen” eines Forums soll es sein, den Benutzern zu helfen. Also ist das Ziel erreicht, wenn ein Benutzer reinschaut, einen Beitrag findet, der sein Problem löst und ihm dadurch geholfen wird. Natürlich könnte jeder auch schreiben “Hat mir geholfen, danke!”, aber was bringt das ausser Datenmüll in der Datenbank und schlechten Suchergebnissen?
Die Ergebnisse von Nielsen sind durchaus interessante Zahlen, aber sicherlich machen diese keine Aussage über Leistungen oder Erfolge eines Forums. Speziell in der Ajax-Community sollte der Erfolg eher durch die Anzahl der erfolgreich gelösten Probleme bemessen werden, denn ich denke die Quote dürfte relativ hoch liegen. Nicht umsonst sind über die Hälfte der Beiträge von erfahrenen und gut informierten Benutzern! (Angemerkt: Das sind übrigens diese „schäbigen“ 2% …)
Die Zahlen über erfolgreiche Lösungsvorschläge würden mich vielmehr interessieren, als eine Auflistung von Tatsachen, die sich jeder auch ohne Studie hätte überlegen können!
Gruß,
Mark
der Jörchen sagt
am 4. Januar 2007 @ 16:23
Wow, bit2bit, sehr interessant.
Ich kann Mark voll und ganz nur zustimmen!
Bei uns in der AJAX-Community ist es wie in jedem anderen Forum und wie es eigentlich im ganzen Web ist. Es gibt ein paar “Super-User” mit sehr vielen Beiträgen, quasi die, die schon alles wissen, und dann die “Normal-User” welche einfach nur die Beträge von den “Super-Usern” lesen und damit schon genug informiert sind oder die bei Gelegenheit einmal eine Frage stellen und dann nie wieder.
Gruß,
der Jörchen!
Anonymous sagt
am 4. Januar 2007 @ 21:10
Be part of it!…
J.Nielsen stellt in einem seiner letzten Newsletter fest, dass in den meisten Online-Gemeinden 90% aller User nur beobachten und 1% macht den ganzen Job. Die große Kluft zwischen den aktiven Beitragenden und den Beobachtern bringt einige negative Ausw…
Rufus sagt
am 5. Januar 2007 @ 04:37
Ein interessanter Gedankengang. Allerdings bist Du auf eine fehlerhafte Annahme von Nielsen selbst hereingefallen.
Um es kurz und knapp zu sagen: Arbeitsteilung macht Sinn!
Das wissen Ökonomen schon seit langem. Nur Nielsen denkt offensichtlich, jeder sollte zu jedem Produkt gleichermassen beitragen haben. Das ist natürlich Blödsinn! Du würdest sicher nicht wollen, das ich zur Produktion Deines Autos beitrage, oder auch nur zur Produktion dieses Forums (denn ich habe von Ajax keine Ahnung).
Aber vielleicht liest du ja meine Beiträge auf anderen Seiten? Das nennt man dann Tausch und das klappt schon seit recht langer Zeit — ob nun mit Hilfe von Geld oder gegen andere Güter.
bit2bit sagt
am 5. Januar 2007 @ 08:12
Ganz Deiner Meinung Mark,
diese Disproporzionlität ist definitiv nicht neu und J.Nielsen hat es auch bestimmt nicht als erster herausgefunden. Ebenfalls stimme ich Dir zu, dass dieses Phänomen durch die Natur des Webs begründet ist. Dazu kommt auch noch, dass Internet noch immer relativ “neu” ist und die meisten Nutzer haben noch wenig Ahnung wie es funktioniert.
Da aber immer mehr Leute immer öfters mit dem Web zu tun haben und es auch immer einfacher wird sich zu beteiligen, sehe ich keinen Grund, sie nicht zu Mitarbeit anzuregen. Wir versuchen doch in unserer Community auch die Web-Responsivität mit benutzerfreundlichen Anwendungen und Technologien zu verbessern und es den Usern zu erleichtern, aktiv zu werden.
Diese Zahlen sind natürlich sehr relativ und sagen auch nur wenig über die Leistungen einer Community aus. Ich versuche ja auch nicht über die Anzahl der Beiträge die Qualität des Forums und der Gemeinde zu definieren.
Jedenfalls möchte ich aber gerne öfters erfahren, ob unsere Community auch ihren Zweck erfüllt. Wie anders sollen dann die “tüchtigen” 2% überhaupt erfahren, ob, wobei oder wie sie Einem auch geholfen haben?
Ich erwarte mir auch von keinem, dass er uns mit etwas wie “Das hat mir super geholfen…” zuspammt. Es würde uns aber sicher weiterbringen, wenn man sich öfters die Mühe geben würde, zumindest das eigene Problem resp. die Lösung zu posten.
So würden wir das notwendige Feedback bekommen, ob und wie was funzt, was geht und was nicht, was schon mal gemacht / gelöst / analysiert / überlegt / etc. wurde und was man schon alles umgesetzt hat. Dies würde der Community sicher was bringen und obendrauf kann sich auch noch jeder User sozusagen “gratis” profilieren und der Gemeinde auch was zurückgeben …
Wie wollen wir sonst rausfinden, ob diese ~ 500 registrierte User, die noch kein Beitrag geschrieben haben, die Lösung für ihr Problem gefunden haben (sprich: erfolgreiche Lösungsvorschläge) oder einfach nur unzufrieden die Seite verlassen haben?
Mark (LuiG) sagt
am 5. Januar 2007 @ 09:06
Hallo bit2bit,
du hast Recht, natürlich macht es Sinn die Menschen zu mehr Mitarbeit zu motivieren! Gerade jetzt, wo das Internet eine Phase des Umbruchs erfährt.
Diese bietet einerseits die Möglichkeit zu besseren, weil benutzerfreundlicheren, Anwendungen und andererseits aber auch immer die Gefahr, die Grenzen zwischen “Weblication” (Web-Application, habe ich letztens mal gelesen) und Desktop-Application zu verwischen, sodass es gerade unerfahrenen Benutzern schwieriger gemacht wird, das Internet als solches kennenzulernen.
Vielleicht sollten in regelmäßigen Abständen mal Umfragen durchgeführt werden, wie sehr die Benutzer der AC denn zufrieden sind mit den Problemlösungen, Hilfestellungen und Beispielen hier Forum. Technisch ist eine solche Umfrage ja überhaupt kein Problem.
Natürlich werden auch hierbei wieder die “Nielsen-Zahlen” auftauchen, denn sicherlich wird sich nicht jeder an einer Umfrage beteiligen, aber ich denke so könnte man wenigstens Ansatzweise ein Feedback über die AC bekommen.
Was wichtig ist, sind also nicht die nakten Zahlen, sondern die Menschen mit ihren Meinungen, die dahinter stehen. Auch wenn eine Statistik mathematisch korrekt ist, wirft sie doch gerne ein falsches Licht auf die Wirklichkeit, einfach weil sie einen verschobenen Blickwinkel suggeriert und auch Fehlinterpretationen zulässt!
In diesem Sinne,
Mark
bit2bit sagt
am 5. Januar 2007 @ 10:28
Zufriedenheits-Umfragen, keine schlechte Idee.
Nur das ist ja die Sache eben.
Bislang wurde im AC-Forum (falls ich nichts übersehen habe) insgesamt 4 Umfragen gestartet:
1. Ajax Suchfunktion (Zugriff über PHP auf MySQL)
* Bewertung einer Useranwendung
* gestartet: August 2006
* 12 Stimmen
2. Dynamischer Fragebogen
* Bewertung einer Useridee für eine Anwendung
* gestartet: Oktober 2006
* 5 Stimmen
3. Ajax-basierende kostenlose Kalender und Planning-Tools
* Bewertung der am Markt vorhandenen Kalenderapps
* gestartet: April 2006
* 7 Stimmen
4. Umfrage zur Forensoftware
* Ob wir auf eine neue ForenSW umsteigen sollen
* gestartet: November 2006
* 10 Stimmen
So, d.h.:
- in insgesamt 4 Umfragen,
- mit Start im April bis November 2006,
- bei mittlerweile schon gut über 1.000 reg. User,
- wovon gut 10% auch aktiv sind,
- wurden bis heute insgesamt 34 Stimmen abgegeben!
So, ich kann verstehen, dass eine PHP/MySQL-Suchfunktion nicht jeden interessieren muss. Ebenfalls kann ich verstehen, dass nicht jeden ein dynamischer Fragebogen interessiert. Ebenfalls ein Online Kalender muss nicht jedermanns Sache sein, klar.
Dass sich aber für die Umstellung der ForenSW, die definitiv JEDEN betrifft, NUR 10 User interessieren, das kann ich beim besten Willen nicht verstehen.
Das war eigentlich einer der Gründe für meinen Artikel, nachdem ich beim bilanzieren die Zahlen gesehen habe …
Btw, diese 10 Stimmen sind Nielsens 1% …
codeGourmet » Vorsatz 2007: Be part of it sagt
am 11. Januar 2007 @ 09:26
[...] Die Jungs von der Ajax Community haben mal ausgerechnet, wie sich zu Web 2.0-Zeiten das Verhältnis von Sendern und Empfängern im Medium Internet zusammen setzt. Der Author kommt zu dem Ergebnis, dass er sich mehr aktive Teilnehmer im Web wünscht, die sich aktiv einbringen. Unter andrem werden in dem Beitrag folgende Daten genannt: [...]
Anonymous sagt
am 12. Januar 2007 @ 10:43
Be part of it!…
Jakob Nielsen stellt in einem seiner letzten Newsletter fest, dass in den meisten Online-Gemeinden 90% aller User nur Beobachter sind und 1% macht den ganzen Job. Dies bringt einige negative Auswirkungen mit sich. Einer der wesentlichsten Nachteile die…
Pligg sagt
am 12. Januar 2007 @ 10:44
Be part of it!…
Jakob Nielsen stellt in einem seiner letzten Newsletter fest, dass in den meisten Online-Gemeinden 90% aller User nur Beobachter sind und 1% macht den ganzen Job. Dies bringt einige negative Auswirkungen mit sich. Einer der wesentlichsten Nachteile die…